Die Früchte
Oval bis leicht birnförmig, leuchtend orange bis tiefrot, glatt und etwas gewachst. Sie hängen oft in Trauben und bleiben am Strauch, wenn längst alle Blätter gefallen sind — den Winter über sind sie Vogelfutter.
Hagebutte · Rosa canina
Erkennen · Sammeln · Verarbeiten · Einordnen
Rote Leuchter an einer kahlen Hecke im Oktober: Die Hagebutte kennt fast jeder — als Tee, als Konfitüre, als Kindheitsgeruch. Und kaum jemand kennt sie wirklich.
Hier steht, woran Sie die Wildrose festmachen, wann und wie man sammelt, warum Tee, Pulver und Öl drei verschiedene Produkte sind — und was die Forschung belegt und was nicht.
Vier Merkmale, die zusammenpassen müssen
Eine Pflanze bestimmt man nie an einem Merkmal, sondern daran, dass mehrere zusammenpassen. Bei der Hagebutte kommt hinzu: Was wir „Frucht" nennen, ist botanisch keine — und was in ihr steckt, entscheidet über alles Weitere.
Oval bis leicht birnförmig, leuchtend orange bis tiefrot, glatt und etwas gewachst. Sie hängen oft in Trauben und bleiben am Strauch, wenn längst alle Blätter gefallen sind — den Winter über sind sie Vogelfutter.
Kein Fruchtfleisch, sondern ein fleischig gewordener Blütenboden: der Achsenbecher, botanisch Hypanthium. Die Hagebutte ist eine Scheinfrucht; die eigentlichen Früchte sitzen innen — kleine, harte, behaarte Nüsschen, die Achenen.
An der Innenwand des Achsenbechers sitzen einzellige, dickwandige Haare, bis zu zwei Millimeter lang: starr, spitz, leicht abbrechend — das sprichwörtliche Juckpulver. Es wirkt nicht chemisch, sondern mechanisch.
Ein mittelgroßer Strauch mit bogenförmig überhängenden Ästen — aus der Ferne das zuverlässigste Zeichen. Die Blätter sind wechselständig mit fünf bis sieben Teilblättchen, die Stacheln wenige, aber kräftige. Er wächst an Hecken, Waldrändern, Böschungen, Bahndämmen und Parkrändern, ohne besonderen Boden zu brauchen.

Die typisch übergebogenen, stacheligen Äste, die ovalen bis runden roten Früchte mit dem charakteristischen Kelchansatz am oberen Ende — das Bild brennt sich schnell ein.
aus dem Buch, Kapitel 17
Bestimmen Sie Pflanzen immer anhand mehrerer Merkmale. Im Zweifel gehört ein Bestimmungsbuch dazu — und was Sie nicht sicher erkennen, bleibt stehen.
Zwei Schwestern und die giftigen Nachbarn in derselben Hecke
Unter den Rosengewächsen hat die Hagebutte keine gefährlichen Doppelgänger — die Früchte der Gattung *Rosa* sind gut erkennbar. Zwei nahe Verwandte begegnen einem trotzdem regelmäßig, und in derselben Hecke hängen Früchte, die man nicht verwechseln darf.
Rosa rugosa
ähnlich: rote Früchte an einem stacheligen StrauchRunzelige, dunkelgrüne Blätter, dicht bestachelte Triebe und große, runde, fast tomatenförmige Früchte, an denen die Kelchblätter häufig stehen bleiben. Sie stammt aus Ostasien, ist in Europa eingebürgert und gilt an Küsten und in Dünen als invasiv. Für Konfitüre und Mark ist sie die praktischere Art — mehr Fruchtfleisch je Frucht.
Rosa pendulina
ähnlich: längliche rote Früchte, WildrosenblüteAuch Alpen-Heckenrose genannt — nicht zu verwechseln mit der Alpenrose, die ein Rhododendron ist. Sie wächst vor allem in Bergregionen, ihre blühenden Zweige sind meist stachellos, die Früchte länglich. Das Arzneibuch führt sie neben der Hundsrose als zulässige Ausgangsart der Droge.
Euonymus europaeus, Ligustrum vulgare
ähnlich: auffällige Früchte am selben WegDas Pfaffenhütchen — auch Spindelstrauch genannt, dieselbe Pflanze — trägt keine Rosenfrüchte, sondern rosarote Kapseln, die aufspringen und orange Samen zeigen. Die Beeren des Ligusters sind schwarz. Beide sind giftig.
Rote, ovale bis runde Frucht mit Kelchansatz am oberen Ende, an einem bogig überhängenden, stacheligen Strauch mit gefiederten Blättern: Hagebutte. Alles andere, was man nicht sicher kennt, bleibt hängen.
Ein langes Fenster — und zwei verschiedene Ernten darin
Die Hagebutte hat kein festes Datum. Sie reift, wenn sie reif ist — abhängig von Standort, Art und Witterung. Das Jahr der Wildrose lässt sich trotzdem gliedern.
Mai und Juni
Weiß bis hellrosa, fünfblättrig, mit goldgelben Staubblättern — viele haben sie gesehen, ohne zu wissen, dass sie zur Hagebutte gehört.
Juli und August
Der Achsenbecher wächst, die Nüsschen reifen, aus Grün wird Orange und aus Orange Rot. In milden Jahren erscheinen erste reife Früchte schon Ende August.
September bis November
Früh im Fenster sind die Früchte fest und lassen sich leichter entkernen. Nach dem ersten Frost werden sie weich und mild — dafür ist das Entkernen mühsamer.
Eine verbreitete Hausregel sagt: nach dem ersten Frost ernten. Für die Verarbeitung stimmt das — der Frost macht die Früchte weich und mild. Für den Vitamin-C-Gehalt gilt das Gegenteil: Mit fortschreitender Reife und nach Frost nimmt der Ascorbinsäuregehalt tendenziell ab. Wer für Teedroge sammelt, erntet früh; wer Konfitüre kochen will, wartet.

Hagebuttenhecken sind überall — deshalb entscheidet der Standort, nicht die Suche.
Standort, Handschuhe und ein Drittel
Sammeln ist keine Wissenschaft, aber ein Handwerk. Schwierig ist nicht das Finden — die Früchte hängen an fast jedem Wegrand —, sondern die Wahl des Standorts und die Arbeit danach in der Küche.
Der Kelchrest am oberen Ende sagt nichts über die Reife: Bei der Hundsrose fallen die Kelchblätter früh ab und hinterlassen meist nur eine kleine dunkle Narbe, bei der Kartoffelrose bleiben sie oft stehen — ein Artmerkmal.
In Deutschland schützt das Bundesnaturschutzgesetz wildwachsende Pflanzen. Die Handstraußregel erlaubt kleine Mengen für den persönlichen Bedarf; gewerbsmäßiges Sammeln und größere Entnahmen bedürfen der Genehmigung. Wer einen Korb für den Wintervorrat pflückt, bewegt sich in der Regel im Rahmen des Erlaubten. Im Zweifel gilt: nachfragen, nicht raten.
aus dem Buch, Kapitel 17In Dünen und Küstenschutzgebieten wird nicht gesammelt: Dort ist das Pflücken oft untersagt, und die Vegetation ist trittempfindlich. Und die Früchte sind Vogelfutter — wer einen Strauch kahl pflückt, nimmt anderen die Nahrung.
Der Arbeitsschritt, der über alles Weitere entscheidet
Die Innenhaare sind nicht verzehrbar. Sie müssen aus allem heraus, was später in der Tasse oder im Glas landet — kein optionaler Schritt, sondern der entscheidende. Dorthin führen zwei Wege.
Für Teedroge zum Trocknen und für frisches Mark
Haltbarkeit Am selben oder am nächsten Tag weiterverarbeiten — das Fruchtfleisch oxidiert rasch.
Wer keine Zeit dafür hat, kauft fertige Droge aus der Apotheke — keine Niederlage, sondern Arbeitsteilung.
Für Konfitüre, Mark, Püree und Sirup
Haltbarkeit Das Mark ist tief orangerot und samtig — und haarfrei, wenn fein genug gesiebt wurde.
Für Teedroge gibt es diese Abkürzung nicht — was getrocknet und später aufgegossen wird, muss von Hand entkernt werden. Ungesüßtes Mark lässt sich portionsweise einfrieren und hält den ganzen Winter; daraus entsteht später Konfitüre, Sauce oder Chutney.
Für den Teevorrat
Haltbarkeit Etwa ein Jahr. Muffiger Geruch oder gräulich-fleckige Schalen: nicht mehr aufbrühen.
Die Temperatur ist der Punkt: zu heiß baut die Ascorbinsäure ab, zu kalt und feucht droht Schimmel.

Dieselbe Frucht, drei Stoffwelten — und keine ersetzt die andere.
Drei verschiedene Produkte, nicht drei Darreichungsformen
Wer vor dem Regal steht, greift meist zum Tee, weil er vertraut ist — kein schlechter Grund, aber nicht immer der richtige: Tee, Pulver und Öl sind im chemischen Sinne drei verschiedene Hagebutten.
Getrocknete Hagebuttenschalen, die klassische Teedroge
Standardisiertes Pulver aus Schalen und Samen
Kaltgepresstes Samenöl aus den Achenen
Ein Teeaufguss löst heraus, was wasserlöslich ist; was fettlöslich ist, bleibt im Pflanzenmaterial zurück. Deshalb liefert der Tee nicht dasselbe wie das Pulver — und das Öl noch einmal etwas anderes.
Entscheidend ist die Angabe „Schalen und Samen" oder „Frucht komplett" — nur das entspricht den Studienprodukten; ein reines Schalenpulver ist etwas anderes. Kapseln enthalten häufig 400 bis 600 Milligramm: Fünf Gramm wären bei 500-Milligramm-Kapseln zehn Stück täglich, auf der Packung steht meist „2–3 Kapseln". Wer die Studienmenge will, nimmt loses Pulver.
Zwei Öle, die oft verwechselt werden. Das Samenöl aus den Achenen ist hell gelblich-golden und riecht leicht nussig; das Fruchtfleischöl aus der roten Schale ist tief orangerot, die Farbe kommt von den Carotinoiden. Beim Kauf zählen kaltgepresst, dunkles Glas und ein erkennbares Datum, ranziger Geruch ist das Ausschlusskriterium; nach dem Öffnen sechs bis zwölf Monate. Zwei bis fünf Tropfen auf feuchte Haut, ein- bis zweimal täglich.
Die Studien, ihre Größe und ihre Grenzen
Die Hagebutte ist als Vitamin-C-Pflanze bekannt. Die stärkste klinische Evidenz liegt aber woanders: bei Gelenkbeschwerden — und ausschließlich für standardisiertes Pulver aus Schalen und Samen, nicht für den Tee.
Drei randomisierte, placebokontrollierte Studien der frühen 2000er-Jahre untersuchten standardisiertes Hagebuttenpulver bei Verschleißbeschwerden an Knie und Hüfte: Warholm 2003, Rein 2004 (Produkt „Hyben Vital") und Winther 2005. Winther maß mit dem WOMAC-Index — einem etablierten Fragebogen zu Schmerz, Steifigkeit und Funktion — erste signifikante Verbesserungen nach drei Wochen. Die Tagesmenge lag bei fünf Gramm Pulver.
Die Meta-Analyse von Christensen und Kollegen aus dem Jahr 2008 fasst die randomisierten Studien zusammen und beschreibt den Effekt auf Gelenkschmerzen als „klein bis moderat". Beide Wörter zählen: real und über mehrere unabhängige Studien konsistent — aber nicht dramatisch. Kein Präparat stellt Knorpel wieder her.
2010 veröffentlichte eine Gruppe um Willich eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie zu standardisiertem Hagebuttenpulver bei einer entzündlichen Autoimmunerkrankung der Gelenke: fünf Gramm täglich über sechs Monate, gemessen am Health Assessment Questionnaire, der die Bewältigung des Alltags abbildet. Die Ergebnisse waren gegenüber Placebo signifikant besser. Es ist die einzige größere Studie dieser Art; sie wurde nicht repliziert und erhob keine Strukturendpunkte — kein Röntgen, kein MRT.
GOPO ist ein Galactolipid, das eine dänische Arbeitsgruppe um Erik Larsen 2003 aus der Frucht der Hundsrose isolierte. Im Labor hemmt es die gerichtete Wanderung weißer Blutkörperchen in entzündetes Gewebe — ein plausibler Erklärungsansatz, aber eine Wirkmarker-Hypothese, keine bewiesene Ursache-Wirkungs-Kette. Die Originalarbeit ordnet das Molekül der Frucht zu, ohne einen einzelnen Fruchtteil zu benennen; spätere Untersuchungen ordnen es überwiegend den Schalen zu. Aus den Samen stammt die fettreiche Fraktion.
Galactolipide sind fettlöslich. Sie gehen in einen Teeaufguss kaum über und bleiben im Pflanzenmaterial zurück. Genau deshalb haben alle relevanten klinischen Studien mit standardisierten Pulverpräparaten aus Schalen und Samen gearbeitet — nicht mit Tee, nicht mit Konfitüre, nicht mit selbst gemahlenem Fruchtpulver aus dem Heimtrockner.
Was die Forschung noch nicht weiß: Die Studien sind klein, die Teilnehmerzahlen bewegen sich im zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Bereich; die Beobachtungszeiträume liegen zwischen drei Wochen und sechs Monaten, Langzeitdaten fehlen. Die Produkte unterscheiden sich in Art, Samenanteil, Mahlgrad und Verarbeitung erheblich, und der Wirkmechanismus ist eine Hypothese. Diese Lücken sind kein Grund, die Befunde zu verwerfen — sie sind ein Grund, die Erwartungen richtig zu kalibrieren.
Zahlen, und was von ihnen ankommt
Die Hagebutte ist kein Ein-Stoff-Mittel, sondern ein System aus Substanzgruppen mit unterschiedlicher Löslichkeit und Stabilität — das entscheidet, was am Ende in der Tasse, im Glas oder im Becher ankommt. Die Werte schwanken art-, reife-, ernte- und lagerungsabhängig erheblich.
Vitamin C (Ascorbinsäure)frische Frucht: ein bis mehrere Gramm je 100 g · getrocknete Droge: mindestens 0,3 %
Für frisches Fruchtfleisch finden sich Berichte bis zu 2.400 Milligramm je 100 Gramm, unter günstigen Bedingungen gemessen. Für die getrocknete Arzneidroge verlangt das Europäische Arzneibuch mindestens 0,3 Prozent Ascorbinsäure; ein Aufguss liefert wenige Milligramm je 100 Milliliter. Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
Carotinoidemehrere Dutzend Milligramm je 100 g Trockenmasse
Lycopin, Beta-Carotin, Zeaxanthin, Lutein — und Rubixanthin, das als typisch für die Hagebutte gilt. Sie geben der Frucht ihre Farbe, sind fettlöslich und gehen kaum in einen Teeaufguss über; in der gekochten, passierten Konfitüre sind sie messbar vorhanden.
Polyphenoledie stabile Fraktion des Aufgusses
Phenolsäuren wie p-Cumarsäure und Ferulasäure, Flavanole wie Catechin und Epicatechin, Quercetin-Derivate, Proanthocyanidine. Sie sind wasserlöslich und hitzestabiler als Vitamin C — deshalb zeigt Hagebuttentee messbare antioxidative Aktivität, auch wenn der Vitamin-C-Gehalt gering ist.
Organische Säuren und PektineCitronensäure und Äpfelsäure, dazu lösliche Ballaststoffe
Die Säuren geben dem Tee seinen Geschmack. Die Pektine sind lösliche Ballaststoffe aus der Zellwand — sie machen Konfitüre gelierfähig und beschäftigen bei größerer Pulvermenge den Darm.
Galactolipide, darunter GOPOfettlöslich, nur im Pulver aus der ganzen Frucht
Galactolipide verbinden einen Fett- mit einem Zuckeranteil und kommen in Pflanzenmembranen vor. GOPO stammt aus der Frucht, nach späteren Untersuchungen überwiegend aus den Schalen; über den Teeaufguss gelangt es kaum in den Körper.
Fettsäuren des Samenöls40–56 % Linolsäure, 20–30 % Alpha-Linolensäure, 14–20 % Ölsäure
Die Ölausbeute liegt je nach Art und Verfahren bei fünf bis achtzehn Prozent der Trockenmasse; dazu Tocopherole, die das Öl stabilisieren. Der hohe Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren macht es zugleich oxidationsempfindlich.
Vitamin Krund 26 µg je 100 g Frischfrucht
Wenig im Vergleich zu grünem Blattgemüse, aber messbar — und der einzige Inhaltsstoff, für den das Buch eine konkrete Vorsichtsregel formuliert. Sie betrifft Menschen, die Vitamin-K-Antagonisten einnehmen.
Vitamin C reagiert mit Sauerstoff, zerfällt bei Wärme, baut sich unter Licht ab und leidet unter Feuchtigkeit. Ernte, Trocknung, Lagerung und Aufguss sind ein langer Weg mit vielen Verlusten — bei ungünstiger Trocknung und Lagerung ist ein nahezu vollständiger Abbau beschrieben. Wer verlässlich dosiertes Vitamin C möchte, greift zu einem standardisierten Präparat. Der Tee ist deshalb nicht wertlos: Polyphenole, organische Säuren und Aroma bleiben. Er ist nur etwas anderes, als der Volksglaube verspricht.
Drei Zubereitungen aus dem Buch
Die folgenden Rezepte und Zubereitungen sind Lebensmittel, kein Heilmittel. Sie sind nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu verhindern, zu behandeln oder zu heilen. Haltbarkeitsangaben sind Orientierungswerte — bei Schimmel, Gärgeruch, Gasbildung oder Verfärbung nicht mehr verwenden. Bei empfindlichem Magen, Medikamenteneinnahme oder bestehenden Erkrankungen die Verträglichkeit individuell prüfen.
Nicht kochend aufgießen. Fein passieren. Dunkel und kühl lagern.
Ascorbinsäure beginnt oberhalb von etwa sechzig Grad zu zerfallen — deshalb Wasser aufkochen, zwei bis drei Minuten stehen lassen, erst dann aufgießen. Beim Passieren entscheidet die Feinheit des Siebs, ob Innenhaare im Glas landen. Und was fertig ist, gehört luftdicht und lichtgeschützt in den Schrank, nicht in die Sonne.
Die Hinweise des Buches, mit den Namen, die dazugehören
Die Hagebutte ist kein Risikoprodukt. Für die meisten gesunden Erwachsenen ist Hagebuttentee so unproblematisch wie Kamillentee, und Hagebuttenpulver ist in der erprobten Menge von fünf Gramm täglich gut verträglich. Einige Situationen verdienen trotzdem einen zweiten Blick — und zwei verbreitete Erwartungen halten der Studienlage nicht stand.
Das ist die bekannteste Erwartung an die Hagebutte — und das Buch beantwortet sie mit Nein: dafür fehlen belastbare Studien, für das Pulver ebenso wie für den Tee. Es gibt keine starken randomisierten kontrollierten Studien, die zeigen, dass Hagebuttentee oder standardisiertes Hagebuttenpulver Erkältungen verhindert oder verkürzt. Die gute Evidenz zu Vitamin C und Erkältungen gilt für definiert dosierte Supplementation, nicht für einen Aufguss, dessen Ascorbinsäuregehalt von Charge zu Charge schwankt. Der Tee darf bleiben — er muss nur nichts mehr beweisen.
Die stärkste klinische Evidenz der Hagebutte liegt bei Arthrose: Warholm 2003, Rein 2004 und Winther 2005 sind randomisierte, placebokontrollierte Studien mit standardisiertem Pulver aus Schalen und Samen; die Meta-Analyse von Christensen 2008 beschreibt den Effekt auf Arthroseschmerzen als klein bis moderat. Willich 2010 ist keine Arthrose-Studie, sondern die randomisierte kontrollierte Studie zur rheumatoiden Arthritis — die einzige größere ihrer Art, bislang nicht repliziert. Beides gilt für das Pulver, nicht für Tee, Konfitüre oder selbst gemahlenes Fruchtpulver, und beides ersetzt keine ärztliche Behandlung: Krankheitsmodifizierende Medikamente oder Biologika kann kein Pflanzenpräparat ersetzen.
Sie wirken mechanisch: Sie dringen in Haut und Schleimhäute ein und lösen Jucken und Brennen aus. Fertige Droge aus Apotheke oder Reformhaus ist entkernt und enthaart; wer selbst verarbeitet, trägt die Verantwortung — vollständig auskratzen und fein absieben, oder ganz kochen und passieren.
Hagebuttenpulver ist ballaststoffreich. Wer plötzlich fünf Gramm täglich hinzufügt, kann das als Druckgefühl, Blähungen oder weichere Stühle spüren. Die Lösung: mit einem halben Teelöffel beginnen und über ein bis zwei Wochen steigern. Die Menge von vierzig Gramm täglich, mit der eine einzelne sechswöchige Studie gearbeitet hat, gehört nicht ohne ärztliche Rücksprache in den Alltag — für den Dauergebrauch ist sie nicht untersucht.
Die Hagebutte enthält Vitamin K. Entscheidend ist nicht die Menge an sich, sondern ihre Schwankung von Tag zu Tag — sie bewegt den INR-Wert. Interaktionsstudien speziell zur Hagebutte gibt es nicht; die Vorsichtsregel folgt dem allgemeinen Prinzip der Antikoagulations-Begleitung. Wer Pulver oder Tee regelmäßig einnehmen möchte, spricht es mit Arzt oder Apotheke ab und bleibt bei einer festen Tagesmenge.
Vor der ersten großflächigen Anwendung ein Verträglichkeitstest: etwas Öl auf die Innenseite des Unterarms, vierundzwanzig Stunden abwarten. Nicht auf offene Wunden, gereizte Haut, Schleimhäute oder in die Augen bringen; bei Rötung, Brennen oder Juckreiz die Anwendung beenden.
Diese Hinweise ersetzen keine medizinische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen, regelmäßiger Medikamenteneinnahme, Allergien, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern sollte vor der Anwendung ärztlicher oder fachkundiger Rat eingeholt werden.
Wegen der Innenhaare. An der Innenwand sitzen einzellige, dickwandige Haare bis zwei Millimeter Länge, die mechanisch reizen — das sprichwörtliche Juckpulver. Sie müssen vollständig heraus: auskratzen und fein absieben, oder ganz kochen und danach sorgfältig passieren.
Nein. Dafür fehlen belastbare Studien — für den Tee wie für das Pulver. Die gute Evidenz zu Vitamin C und Erkältungen gilt für definiert dosierte Supplementation, nicht für einen Aufguss mit schwankendem Ascorbinsäuregehalt.
Drei randomisierte, placebokontrollierte Studien mit standardisiertem Pulver aus Schalen und Samen (Warholm 2003, Rein 2004, Winther 2005) und die Meta-Analyse von Christensen 2008: Der Effekt auf Arthroseschmerzen ist klein bis moderat — real und konsistent, aber nicht dramatisch. Er gilt für das Pulver, nicht für Tee oder Konfitüre, und ersetzt keine ärztliche Behandlung.
Deutlich weniger, als der Ruf der frischen Frucht vermuten lässt: Analysen von Aufgüssen berichten wenige Milligramm je 100 Milliliter. Das Europäische Arzneibuch verlangt für die getrocknete Arzneidroge mindestens 0,3 Prozent Ascorbinsäure — eine Qualitätsschwelle, kein Versprechen für einen vitaminreichen Aufguss.
An der Deklaration: „Schalen und Samen" oder „Frucht komplett", denn nur das entspricht den Studienprodukten. Dazu eine Angabe zur Standardisierung und eine nachvollziehbare Herkunft. Loses Pulver ist praktischer als Kapseln — fünf Gramm wären bei 500-Milligramm-Kapseln zehn Stück am Tag.
Die Handstraußregel erlaubt kleine Mengen für den persönlichen Bedarf; größere und gewerbliche Entnahmen bedürfen einer Genehmigung. In Dünen und Küstenschutzgebieten wird nicht gesammelt. Mindestens fünfzig Meter Abstand zu stark befahrenen Straßen, Hecken an intensiv bewirtschafteten Feldern meiden, nie mehr als ein Drittel eines Strauchs abnehmen.
Heilpflanzen neu entdeckt · Band 5
Diese Seite ist ein Ausschnitt. Im Buch steht die ganze Pflanze — Botanik, Inhaltsstoffe, die einzelnen Studien, Dosierung, Vorsicht und Rezepte.
Ruhig, verständlich und ohne Heilsversprechen — von einer Autorin, die den bekanntesten Ruf ihrer Pflanze dort zurechtrückt, wo er nicht trägt.
Die Angaben dieser Seite stammen aus Band 5 der Reihe „Heilpflanzen neu entdeckt". Das vollständige Quellenverzeichnis steht im Buch; hier die zentralen Arbeiten.